eiko_icon Feuer 4 Brennt Gewerbebetrieb

Brandeinsatz > Gewerbebetrieb
Einsatzort Details

Rudolf-Diesel Straße
Datum 15.08.2016
Alarmierungszeit 10:59 Uhr
Alarmierungsart Melder
Einsatzleiter Kreisbrandmeister
eingesetzte Kräfte

Feuerwehr Buxtehude Zug II
DRK Bereitschaft Buxtehude
    Feuerwehr Ottensen
      Feuerwehr Ovelgönne
        Feuerwehr Neukloster
          Feuerwehr Immenbeck
            Feuerwehr Hedendorf
              Feuerwehr Dammhausen
                Feuerwehr Daensen
                  Feuerwehr Buxtehude Zug I
                    Polizei Buxtehude
                      Stadtwerke Buxtehude
                        Feuerwehr Apensen

                          Einsatzbericht

                          Quelle Bild und Bericht: BT-Online
                           
                          Tageblatt 1
                           
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                          BUXTEHUDE. Die Rauchwolke war fast bis Stade und sogar von der Köhlbrandbrücke aus zu sehen: In Buxtehude ist die Naturfarbenfabrik Reincke abgebrannt, das Feuer griff auch auf die Tischlerei Effenberger über und zerstörte diese bis auf das Wohnhaus. Mehr als 250 Feuerwehrleute aus dem gesamten Kreisgebiet bekämpften das Feuer. Menschen kamen nicht zu Schaden.

                          Gegen 11 Uhr am Montagvormittag schlagen Mitarbeiter des Betriebs Reincke Naturfarben an der Rudolf-Diesel-Straße Alarm: Laut Brandermittler ist es bei der Farbenherstellung in der Halle zu einer Verpuffung gekommen. Den Mitarbeitern gelingt es nicht, das Feuer selbst einzudämmen. Innerhalb weniger Minuten greift es auf das gesamte Produktionsgebäude über. Sie rufen die Feuerwehr; als die eintrifft, quillt bereits eine riesige schwarze Rauchwolke über das Gewerbegebiet an der Lüneburger Schanze. „Es war ein Flammenmeer mit einer enormen Hitzeentwicklung“, berichtet Stadtbrandmeister Horst Meyer.

                          Die Hecke zum Nachbargrundstück der Tischlerei Effenberger fängt schnell Feuer. Rauch und Hitze sind so stark, dass die Feuerwehrleute kaum noch etwas sehen und sich dem Brand nur unter schweren Atemschutz überhaupt noch nähern können. Zwischen die brennenden Gebäude zu gelangen, ist mittlerweile unmöglich. Kurz vor 12 Uhr greift das Feuer auch auf die Produktionshalle der Tischlerei Effenberger über. Die Feuerwehrleute halten aus allen Rohren und von allen Seiten auf die Brandstelle. Scheiben bersten durch die Hitze, aber es gelingt, das Wohnhaus neben der Tischlerei zu retten.

                          Die Firmen Bilfinger und Alfey, Nachbarn der Farbenfabrik auf der anderen Seite, sind mittlerweile längst evakuiert worden. Besorgte Mitarbeiter verfolgen die Löscharbeiten stundenlang von Weitem. Aus dem Kern des Feuers ist immer wieder lautes Knallen zu hören. Eine Brandschutzmauer stürzt krachend zusammen. Wegen Explosionsgefahr werden die Zufahrtsstraßen die die Stadt in einem Radius von 100 Metern abgesperrt.

                          Mit Unterstützung der Drehleitern aus Buxtehude und Harsefeld können die Feuerwehrleute die beiden Firmengebäude im Westen durch konstantes Gegenhalten mit Löschwasser retten, Hitzeschäden an den Fassaden sind nicht zu verhindern.

                          Aus Hydranten und vom Mühlenteich muss die Feuerwehr große Wassermengen heranschaffen: Die Feuerwehrleute verlegen gut 2500 Meter Leitungen. Allein aus dem mehr als 500 Meter entfernten Mühlenteich werden mehr als 5000 Liter pro Minute in die Schläuche gepumpt.

                          Der Wind weht nach Südost – gut für die Feuerwehr, die zum Großteil von Norden angreift. Gut für die vielen Leute, die das Feuer vom Media-Markt-Parkplatz an der Lüneburger Schanze aus verfolgen. Im Südosten gehen sogar in Immenbeck noch Ascheflocken nieder.

                          Rauchgeschwängerte Luft hängt über Buxtehude. Der Umweltzug misst an mehreren Stellen im Landkreis, auch in Moisburg und Harburg werden Proben genommen. Auch die Analytic Task Force der Berufsfeuerwehr Hamburg ist angefordert worden: Jörn Struck kann in seinem Messwagen per Schnellanalyse herausfinden, ob Menschen in der Umgebung bedenklichen Schadstoffen ausgesetzt werden. Ein Fernerkundungssystem auf seinem Wagen macht Infrarotaufnahmen von der Brandstelle. „Jeder Stoff hat einen optischen Fingerabdruck“, erklärt der Fachmann. Durch Spektralanalyse können viele Stoffe mit ziemlicher Sicherheit detektiert werden – sogar in bis zu fünf Kilometern Entfernung. Der Umweltzug des Landkreises nimmt Luftproben. „Eine erhebliche Gesundheitsgefahr bestand nicht“, sagt Polizeisprecher Herbert Kreykenbohm. Die Firma Reincke stellt unter dem Markennamen „Leinos“ Öle, Wachse und Lasuren ausschließlich aus natürlichen Inhaltsstoffen wie Leinöl, Bienenwachs oder Baumharzen und Mineralien her. „Gut, dass es kein Chemieunternehmen war“, sagt Kreisbrandmeister Peter Winter.

                          Der Umweltzug des Landkreises hat an den benachbarten Gewässern Wasserproben entnommen. Noch im Messwagen werden sie einer schnellen Erstanalyse unterzogen, anschließend beschäftigt sich die Stadtentwässerung eingehend damit, die endgültige Beurteilung obliegt dem Kreisumweltamt.

                          An der Brandstelle müssen sich die Atemschutzträger alle halbe Stunde abwechseln, länger ist die Arbeit in Qualm, Hitze und mit der schweren Montur nicht durchzuhalten. Einige Feuerwehrleute sind in der Eile unrasiert herbeigeeilt: „Media-Markt hat uns zum Glück einen Rasierer geliehen, sonst hätten wir die Atemschutzmaske aus Sicherheitsgründen gar nicht aufsetzen dürfen“, berichtet Feuerwehrmann Markus Kursmeier.

                          Als das Feuer einigermaßen unter Kontrolle ist, wird dem Wasser in den Schläuchen Schaummittel zugesetzt. Die Brandstelle sieht sehr bald aus wie eine einzige Winterlandschaft; Überreste der Produktionsgebäude ragen wie schwarze Gerippe daraus hervor. Gegen Abend wird das ganze Brandruinen-Gelände noch einmal mit einem Bagger umgewälzt und wieder mit einem Schaumteppich überzogen, um zu verhindern, dass schwelende Brandnester übrig bleiben – am Nachmittag und frühen Abend war das Feuer mehrfach erneut im Leinos-Verwaltungsgebäude aufgeflammt. Eine Brandwache bleibt vor Ort. „Ich bin nur froh, dass unseren Mitarbeitern nichts passiert ist“, sagt Sabine Reincke von der Naturfarbenfabrik.

                          Bei dem Großbrand waren die Wehren aus Buxtehude, Harsefeld, Apensen, Oldendorf, Ladekop und Jork sowie der Schaummittel-, Umwelt- und der Fernmeldezug mit mehr als 250 Kräften im Einsatz. Auch der Landrat und die Buxtehuder Bürgermeisterin waren vor Ort. Feuerwehr und Polizei schätzten den Schaden vorerst auf mindestens zwei Millionen Euro.